Fiktion statt Fakten – QAnon und die Gefahr von Corporate Conspiracies

Ist das Coronavirus bloß eine Erfindung der Pharma-Lobby oder wird es vielleicht durch die 5G-Technologie ausgelöst? Verschwörungstheorien sind angesichts der Corona-Pandemie nicht nur stärker in den öffentlichen Fokus geraten, sondern finden auch eine wachsende Zahl an Anhängern. Auch die Verschwörungsbewegung QAnon erfährt in Deutschland aktuell vermehrt Zulauf. Dabei ist QAnon ein besonderer Fall unter den Verschwörungsmythen: QAnon ist nicht nur überaus erfolgreich, die Bewegung kann auch als Beispiel einer neuen Dimension der digitalen Meinungsmache und Mobilisierung gesehen werden, macht sie sich doch die Funktionsmechanismen des Social Webs in einer stark elaborierten Weise zu Nutze. In diesem Artikel erklären wir, was die QAnon-Bewegung ist, wie sie funktioniert und welche Gefahren und Implikationen sich aus ihr für Wirtschaft und Politik ableiten lassen. Denn eines ist klar: Online-Bewegungen können sich nur gegen eine fiktionale Verschwörung, sondern auch gegen Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen wenden.

Was ist QAnon?

Die Ursprünge von QAnon liegen im Oktober 2017 in den dunklen Tiefen des Internets. Damals meldete sich ein anonymer Nutzer auf der Online-Plattform 4chan zu Wort. 4chan ist ein sog. Imageboard, auf dem sich Nutzer ohne Anmeldung und Account – also vollkommen anonym – öffentlich austauschen können. Durch die wenigen Community-Regeln ist 4chan u.a. dafür bekannt, als Treffpunkt für Internettrolle und Ausgangspunkt von (rechtsextremen) Hass- und Propagandakampagnen zu dienen. Der Nutzer behauptet damals auf 4chan, Mitglied des engsten Regierungskreises von Donald Trump zu sein und Zugang zu streng geheimen Informationen und Plänen der Regierung zu haben. Sein Pseudonym „Q“ referiert dabei zu der höchsten Freigabestufe im US-Energieministerium, der Q-Clearance. Schnell findet Q im Netz eine wachsende Zahl an Anhängern, die seine Posts fortan aufmerksam verfolgen und von ihrem Wahrheitsgehalt überzeugt sind. Dass sich Ankündigungen von Q – wie z.B. eine bevorstehende Verhaftung von Hillary Clinton – nicht bewahrheiten, stört die User nicht. Bald nennt sich die Online-Community rund um Q und seine Posts selbst QAnon. Q in Anlehnung an den Namen des Nutzers und Anon mit Bezug auf die Bezeichnung „Anonymous“, die anstelle eines Nutzernamens auf Imageboards erscheint.

QAnon und der Deep State

Q postet weiter angeblich geheime Informationen aus dem Weißen Haus (sog. Q-Drops) und schnell spinnen die Nutzer aus den Informationen krude Verschwörungstheorien: Zusammengefasst geht es dabei um eine geheime Elite aus korrupten Politikern, Stars sowie Vertretern aus Presse und Wirtschaft, die die USA kontrollieren würden. Dieser sog. Deep State, zu dem z.B. Barack Obama und Hillary Clinton gehören, bereite, so die Nutzer, einen Putsch vor, um die USA in eine Diktatur zu verwandeln. Zudem sei dieser „tiefe Staat“ satanistisch und pädophil, entführe Kinder, hielte diese gefangen und foltere sie. Das Ziel dabei sei, den Stoffwechselstoff Adrenochrom aus den Kindern „zu extrahieren“, um diesen als lebensverlängerndes Elixier zu konsumieren. Der einzige „Erlöser“, der gegen diese kriminellen Machenschaften ankämpfe, sei Donald Trump, so die QAnon-Anhänger. Hinzu kommen Versatzstücke diverser anderer Verschwörungsmythen sowie der Einbezug aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. So wird auch die Corona-Pandemie von der QAnon-Community aufgegriffen. Laut den QAnon-Anhängern gebe es dieses nicht –  der Covid-19-Lockdown sei lediglich ein Vorwand, um die gefangenen Kinder aus den Händen des Deep States zu befreien.

Das glaubt doch kein Mensch!?

Falsch gedacht! Auch wenn der Inhalt der QAnon-Erzählung absurd klingt, ist es nicht nur kurz gedacht, sondern vielmehr gefährlich, die Bewegung schlichtweg als Quatsch oder ein Konglomerat aus Spinnern abzutun. Dafür spricht u.a. der Erfolg der Bewegung: In den letzten Jahren führte QAnon zu einer großen Zahl an Online-Content und Offline-Demonstrationen, die Times kürte Q im Jahr 2018 zu einer der einflussreichsten Personen im Internet[1] und ein Buch, das QAnon-Anhänger über die Weltanschauung und Bewegung schrieben, erreichte 2019 zwischenzeitig Platz 2 der Amazon-Bestsellerliste in den USA[2]. Insgesamt, so scheint es, ist QAnon also vielmehr als eine Verschwörungscommunity – davon sind auch Wissenschaftler überzeugt. Sie beschreiben die Bewegung vermehrt als eine Art Glaubensgemeinschaft oder Sekte. Wie gefährlich der QAnon-Glaube sein kann, zeigen schreckliche Ereignisse außerhalb des digitalen Raums: So gilt der Attentäter von Pittsburgh, der 2018 insgesamt 11 Menschen tötete, z.B. als Anhänger der QAnon-Bewegung.

Macht man sich die Ausmaße von QAnon bewusst, kommt schnell die Frage auf: Wie konnte aus den Posts eines einzelnen Nutzers eine solche Sache werden? Die Antwort auf diese Frage liegt irgendwo zwischen Inhalt und Verbreitung. Klar ist allerdings, dass die QAnon-Bewegung und ihr internationaler Erfolg eine neue Dimension von Meinungsmache und Mobilisierung über die digitalen und vor allem sozialen Medien illustrieren. Abstrahiert man QAnon auf sein Funktionsweise, so scheint der Inhalt der Erzählung zweitrangig und austauschbar: So könnten mittels der „Methodik“ von QAnon auch andere Inhalte propagiert und eine große Anhängerschaft für diese generiert werden – solange sie nur geheimnisvoll, sensationell und vor allem emotionalisierend genug sind. Und diese Inhalte können sich gegen eine Vielzahl von Akteuren wie z.B. Unternehmen, Branchen, Personen oder politische Institutionen wenden.

Alter Inhalt, neuer Anstrich?

Schauen wir uns QAnon einmal genauer an. In vielerlei Hinsicht ähnelt die QAnon-Erzählung sowohl inhaltlich als auch strukturell anderen bekannten Verschwörungsmythen: Die Erzählung ist nicht nur spannend und geheimnisvoll, sondern bietet ihren Anhängern eine vereinfachende Erklärung des hochkomplexen Geschehens in einer stetig dynamischen Welt an. Zudem legt sie einen Akteur fest, der für all das Leid in der Welt verantwortlich ist und vermittelt so das Gefühl, die Kontrolle über die eigene Lebenswelt zurück zu erlangen. Gleichzeitig vermittelt QAnon positive Gefühle wie Hoffnung, Erhaben- und Sinnhaftigkeit: Einerseits wird immer wieder das „große Erwachen“ der Gesamtbevölkerung und die Rettung durch Donald Trump angekündigt und andererseits wird den Anhängern schlicht das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein. Denn sie allein haben die Wahrheit erkannt und kämpfen – quasi wie Geheimagenten – gegen das Böse in der Welt an. Zudem folgt QAnon einem übergeordneten Masternarrativ, das Fakten mit Fiktion vermischt, viele andere Verschwörungserzählungen in sich vereint und sich durch seine Dichte und Verwobenheit gegen jegliche Form von Kritik immunisiert. Argumente gegen die Wahrhaftigkeit von QAnon können so immer zur Fürsprache für QAnon umgedreht werden. Dieser selbst-immunisierende Effekt kommt beispielsweise auch bei Falschinformationen und Desinformationskampagnen zum Einsatz.

Emotionalisierung und Partizipation als Erfolgsfaktoren im Netz

Gleichzeitig unterscheidet sich QAnon von anderen Verschwörungsmythen und -Communities, denn QAnon macht sich zwei Faktoren zu Nutze, die in den digitalen Medien besonders gut funktionieren: Emotionalisierung und Interaktion bzw. Partizipation. So geht es im Internet schon lange nicht mehr nur um die starre Rezeption von informativen Inhalten, sondern vielmehr um einen reziproken Austausch, an dem sich jeder User beteiligen kann. Klassische Gatekeeper verlieren an Relevanz und der einzelne User wird selbst zum Informationsproduzenten und -händler. Inhalte werden veröffentlicht, geteilt, geliked, kommentiert oder geremixed und können schnell eine enorme Reichweite erzielen. Diese wiederum wird von neuen Gatekeepern wie Suchmaschinen und Algorithmen noch verstärkt. Die sozialen Medien werden in diesem Rahmen nicht nur zu Sichtbarmachern, sondern zu Verstärkern von Meinungen und Geschichten, die im traditionellen Mediensystem vermutlich wenig bis keine Aufmerksamkeit gefunden hätten. Und was funktioniert in den sozialen Netzwerken besonders gut? Emotionalisierender, spannender und polarisierender Content. Er sorgt für Klicks, löst Diskussionen aus und schafft es in der Empörungsökonomie des Internets aufzufallen.

Verschwörungstheorien á la Social Media

Die große Anhängerschaft und starke Mobilisierung von QAnon kann u.a. auf diese Faktoren zurückgeführt werden: die Inhalte sind nicht nur mysteriös und aufregend, sie sorgen auch für eine starke Emotionalisierung, immerhin geht es u.a. um das Wohl von Kindern. Zudem regen sie stark zum Mitmachen und -verschwören an: der Grundstein von QAnon – die Q-Drops – sind meist kurz und kryptisch und müssen daher von den Online-Usern selbst dechiffriert, interpretiert und zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Das macht QAnon quasi zu einer kollaborativen Verschwörungserzählung, bei der nicht allein ein Guru die Geschichte vorgibt, sondern jeder Anhänger seinen Teil beitragen kann. Darüber hinaus scheint der Prozess beinahe gamifiziert: Vage und kryptische Hinweise und Posts zu entziffern und zu interpretieren macht Spaß. Zudem erhalten aktive Q-Drop-Interpretatoren von ihren Mitstreitern Anerkennung. QAnon wird so zu einer Art Online-Game, in dem es darum geht, die schlüssigsten Erklärungen zu finden und möglichst viele User von ihrer Wahrheit zu überzeugen. Daraus folgt, dass die Anhänger der QAnon-Bewegung auch daran interessiert sind, ihre Meinungen und Interpretationen möglichst weit zu vertreiben, um die Ungläubigen zu wecken und zu überzeugen. Denn wer erfolgreiche Überzeugungsarbeit leistet, wird von der Community mit Ansehen und Bestätigung belohnt.

(Mis-)information Overload

QAnon funktioniert auch so gut, weil sich im digitalen Zeitalter bestimmte Rahmenbedingungen entwickelt haben, die die Verbreitung von und den Glauben an Gerüchte und Desinformationen oder Verschwörungsmythen begünstigen. So werden wir durch die digitalen Medien dauerhaft mit einer Vielzahl an (falschen) Informationen und Meinungen aus unterschiedlichen Quellen konfrontiert. Nachzuverfolgen, ob es sich dabei um seriöse Quellen und valide Informationen handelt, ist dabei nicht nur schwierig, sondern auch zeitintensiv und anstrengend. Unsere Bequemlichkeit begünstigt dabei, dass angebliche Fakten nicht immer gecheckt und falsche Information für bare Münze genommen werden. Hinzu kommt, dass die Verbreitung von (falschen) Informationen in einem pseudo-nachrichtlichen Rahmen für den einzelnen Nutzer immer einfacher wird. Jeder mit einem Internetzugang kann in den sozialen Netzwerken oder nachrichtlich anmutenden Internetseiten schnell und einfach, Informationen oder die eigene Meinung kundtun und verbreiten.

Schließlich erleben wir im sog. „postfaktischen Zeitalter“ einen permanenten Zustand des Zweifelns. Denn: Wir wissen um die Versuche Wahlen zu manipulieren oder die gezielte Verbreitung von Desinformationen und letztlich führt das dazu, dass wir das Gefühl haben, nie ganz sicher sein zu können, was wahr und was falsch ist. Selbst wissenschaftliche Fakten können angezweifelt oder selbst pseudo-wissenschaftlich produziert werden (Fake Science) und die Grundlage unserer Debatten scheint kein gemeinsamer Faktenkonsens mehr zu sein. Vielmehr konstituieren sich die scheinbar stärksten Argumente nicht durch ihren Wahrheitsgehalt und ihre Faktenbasis, sondern durch die emotionale Anschlussfähigkeit (wie z.B. das Empörungspotenzial). Das Gefährliche am postfaktischen Zeitalter ist somit nicht allein, die massive Verbreitung von Desinformationen, sondern vielmehr die daraus folgende Konsequenz: Heutzutage scheint jede Behauptung, egal, ob sie auf wahren oder falschen Tatsachen gründet, zunächst legitim und überzeugend – so lange sie eine hohe emotionale Überzeugungskraft besitzt.

Diese Emotionalität führt zu Aufmerksamkeit und lässt eine Information, einen Verschwörungsmythos oder eine Story aus der Fülle an verfügbaren (Falsch-)Informationen herausstechen und führt dazu, dass wir anderen widersprüchlichen Informationen keine Aufmerksamkeit schenken, aktiv ausblenden oder ignorieren. Bei QAnon werden die Anhänger z.B. durch die Komponente „Kindesmissbrauch“ stark emotionalisiert – ganz nach dem Motto „Das ist so schlimm, da müssen wir sofort etwas gegen unternehmen“ blenden die Gläubigen anschließend Gegenargumente aus.

Unternehmen als Feindbilder in Verschwörungskampagnen

Verschwörungen gegen Unternehmen oder ganze Branchen sind im Prinzip nichts Neues – man denke beispielsweise an die Pharma-Industrie, die immer wieder zum Feindbild unterschiedlicher Verschwörungsanhänger wird. Dass sich Unternehmen als Feinde einfach in solche Erzählungen einfügen lassen, ist keine Überraschung: zum einen wird gerade Konzernen und großen Unternehmen aufgrund ihrer Ressourcen sowohl eine größere Macht als auch eine höhere Verantwortung zugeschrieben. Das wiederum führt dazu, dass Fehltritte von Unternehmen moralisch schärfer bewertet werden und der Verdacht, dass Unternehmen ihre Macht missbrauchen, um geheime Ziele zu verfolgen sehr viel naheliegender ist als z.B. beim Ottonormalverbraucher. Zum anderen repräsentieren Konzerne und Großunternehmen geradezu die Goliaths unserer Zeit: Sie verkörpern geldgierige und eiskalte Machtmaschinen, die im direkten Konflikt mit dem Wohlergehen des kleinen Mannes stehen und so eine Vielzahl an Online-Davids zum Kampf gegen das große Böse einladen.

Corporate Conspiracies: von Angreifern und Profiteuren

Diese Punkte begünstigen nicht nur, dass Unternehmen organisch, sondern vielmehr auch gezielt – also mit einer bestimmten Absicht zum Mittelpunkt einer Verschwörungskampagne (gemacht) werden. Geraten einzelne Unternehmen in den Fokus einer solchen Kampagne kann von „Corporate Conspiracies“ gesprochen.

Hinter solchen Corporate Conspiracies stehen meist zwei Gruppen von Akteuren: Angreifer oder Profiteure. Für Angreifer geht es meist darum, einem Unternehmen oder einer Branche mit einer zielgerichteten Kampagne (finanziellen) Schaden zuzufügen. Gründe dafür gibt es viele: Als Konkurrent möchte man sich so z.B. einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, als unzufriedener Ex-Mitarbeiter dem Unternehmen schaden oder als Interessengruppe eine bestimmte wirtschaftlich, politische oder soziale Agenda vorantreiben. Für Angreifer ist es nicht schwer, falsche Informationen über Unternehmen oder Branchen zu verbreiten und relevante Stakeholder so gezielt zu manipulieren.

Profiteure haben demgegenüber erkannt, dass das Verbreiten von Verschwörungsmythen lukrativ sein kann. Rund um die QAnon-Bewegung gibt es beispielsweise eine Vielzahl an Merchandising-Artikeln wie T-Shirts oder Tassen. Weiterhin sorgen Inhalte zu QAnon für eine große Menge an Klicks durch die QAnon-Anhänger. Mehr Menschen von der QAnon-Geschichte zu überzeugen, bringt YouTubern, Influencern oder auch Online-Medien also schlichtweg mehr Traffic und somit auch mehr Werbeeinnahmen. Im Unternehmenskontext führt dieser Aspekt zu einer größeren Gefahr für bekannte Konzerne. Diese schaffen Aufmerksamkeit, sorgen bei einer Erwähnung für mehr Klicks und Traffic und somit auch für größere Margen. Sind Profiteure selbst die initialen Verbreiter von Verbreiter von Corporate Conspiracies, kalkulieren sie genau die Chance, dass Verschwörungserzählung rund um ein Unternehmen für eine große Reichweite sorgt. Springen Profiteure auf den Zug eines Angriffs durch Dritte mit auf, verstärken sie zudem meist die Wirkung der Kampagne der Angreifer.

Ist mein Unternehmen in Gefahr?

Diese Frage kann kaum pauschal beantwortet werden. Zwar gibt es Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, Opfer einer Verschwörungskampagne zu werden (z.B. die Größe und Bekanntheit des Unternehmens). Das garantiert jedoch nicht, dass Unternehmen, die diese Faktoren nicht erfüllen, außer Gefahr sind. So kann eine Corporate Conspiracy insbesondere auch kleine Betriebe auf lokaler oder regionaler Ebene treffen ganz nach der Manier: „In diesem kleinen Restaurant sind immer so wenige Kunden und trotzdem hält es sich schon viele Jahre… da wird bestimmt Geld gewaschen!“.

Sie glauben nicht, dass so etwas passiert? Und wenn schon, was ist so schlimm daran? Hier ein kurzes reales Beispiel, um den Ernst einer solchen Situation zu verdeutlichen. Zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf wurde 2016 eine Verschwörungstheorie im Internet geteilt, aus der schließlich ein Ereignis entstand das heute als Pizzagate bekannt ist. Im Zentrum der Theorie stand eine kleine Pizzeria in Washington D.C.. Die Online-User waren überzeugt, dass ein Kinderporno-Ring aus dem Keller der Pizzeria agiere. Teil des kriminellen Netzwerkes – man beachte hier die starke Ähnlichkeit zu QAnon – seien u.a. Hillary Clinton, Barack Obama und Lady Gaga. Die Theorie wurde sowohl von echten Nutzern als auch Social Bots in den sozialen Netzwerken geteilt, fand viele Anhänger und endete schließlich mit einem Attentat im Dezember 2016. Ein bewaffneter Mann stürmte in die Pizzeria, um die dort angeblich missbrauchten Kinder zu befreien und gab zwei Schüsse ab – verletzt wurde glücklicherweise niemand. Dieses Beispiel illustriert auf tragische Weise wozu eine Verschwörungserzählung im Netz führen und dass sie schlicht jeden treffen kann.

Um individuell herauszufinden, inwieweit Ihr Unternehmen gefährdet oder bereits betroffen ist, eignet sich ein zielgerichtetes Risk-Assessment. Bei einer solchen Risikoanalyse sollte zum einen untersucht werden, wie hoch die Chance ist, ins Zentrum einer digitalen Schmierkampagne zu geraten. Zum anderen sollte festgestellt werden, wie groß der dadurch entstehende Schaden wäre. Mögliche Fragen sind hier z.B.: Könnte eine solche Kampagne negative Auswirkungen auf meine Reputation haben? Könnten sich Policymaker zu meinen Nachteilen beeinflussen lassen? Welche Folgen kommen auf mich zu, wenn meine ganze Branche Ziel eines solchen Verschwörungsangriffs wird?

Um das Risiko dauerhaft im Blick zu behalten, lohnt sich außerdem ein Web-Monitoring. Denn wer hat schon Lust, jede Woche selbst Hand anzulegen und die Tiefen des Internets nach neuen Verschwörungsmythen zu durchsuchen? Um einen größtmöglichen Nutzen zu erzielen, sollte das Monitoring speziell für festgelegte Themen oder Kanäle aufgesetzt werden. D.h. basierend auf dem Risk-Assessment werden bestimmte Trigger-Keywords und Quellen definiert und beobachtet. Hier eigenen sich z.B. typische Plattformen oder bekannte Gruppen, in denen Verschwörungstheorien oft ihren Ursprung finden. Dazu gehören z.B. Reddit, 4chan, Telegram oder das russische Facebook VKontakte. Weiterhin können Influencer der Verschwörungsszene identifiziert und auf einer Influencer-Map indexiert werden. Die Map hilft dann bestimmte Monitoring-Funde schneller und einfacher einzuordnen.  

Wie kann ich mich vor Corporate Conspiracies schützen?

An dieser Stelle gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Sie können nie vollständig verhindern, dass sich im Netz eine negative Kampagne verbreitet. Insbesondere wenn es sich um einen direkten Angriff handelt. Denn arbeiten viele Kräfte daran, dass sich Gerüchte, Falschmeldungen oder Verschwörungen über Sie und Ihr Unternehmen online verbreiten.

Jetzt die gute Nachricht: Sie können das Risiko sowie mögliche Auswirkungen einer solchen Kampagne abschwächen. Risikoanalyse und Monitoring helfen, aufstrebende Kampagne frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegen sie vorzugehen. Eine umfassende Strategie hilft, im Ernstfall adäquat zu handeln, die richtigen Maßnahmen einzuleiten und Folgeschäden zu minimieren. Und sensibilisierte und geschulte Mitarbeiter reduzieren Risiken und tragen selbstständig zu einer höheren Krisenresilienz bei.

Sie brauchen Unterstützung und Beratung zu diesem Thema? Wir helfen Ihnen gerne dabei.

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[1] https://time.com/5324130/most-influential-internet/

[2] https://www.vox.com/the-goods/2019/3/6/18253505/amazon-qanon-book-best-seller-algorithm-conspiracy